Theatrale Präsenz: Wie Blick und Pause Ihren Auftritt tragen
Matthias Brandt
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Modul 3 überträgt Techniken aus der Schauspielpraxis auf Reden und Keynotes. Matthias Brandt beschreibt, was in den Einheiten zu Blickführung, Pausen und Spannung geschieht.
Was Modul 3 im Curriculum leistet
Im Curriculum steht das dritte Modul an der Stelle, an der Haltung und Atem bereits gelegt sind. Wer Stand und Stimme verlässlich trägt, kann sich nun der Frage zuwenden, was ein Publikum eigentlich wahrnimmt: den Blick, den Rhythmus, die Spannung zwischen zwei Sätzen. Das Modul heißt Theatrale Präsenz und überträgt Verfahren aus der Schauspielpraxis auf Reden und Keynotes.
Ich begleite die Körperarbeit im Studio, und in diesen Wochen des Herbstes erreichen uns auffallend viele Anfragen von Rednern, die für Jahresabschlüsse und Fachtagungen proben. Deshalb beschreibe ich hier, wie das Modul aufgebaut ist und was Sie in den Einheiten tatsächlich tun.
Theatral bedeutet dabei nicht gespielt. Es geht nicht darum, eine Rolle anzulegen oder Gefühle vorzutäuschen. Es geht darum, bewusst mit den Mitteln umzugehen, die jede Bühne ohnehin verlangt, und sie so einzusetzen, dass Ihre eigene Aussage klarer wird.
Blickführung: wohin Sie schauen und wie lange
Die meisten Redner schauen entweder auf ihre Unterlagen oder gleichmäßig über die Köpfe hinweg. Beides nimmt dem Publikum das Gefühl, gemeint zu sein. In der Blickführung üben Sie, einen Gedanken zu Ende zu führen und ihn dabei einer Person oder einer Gruppe im Raum zuzusprechen, bevor der Blick weiterwandert.
Wir arbeiten zunächst ohne Text. Sie stehen vor der Gruppe und halten den Blick auf eine Person, bis ein Satz vollständig gesprochen ist. Das fühlt sich anfangs ungewohnt lang an, wirkt von außen aber ruhig und zugewandt. Danach wechseln Sie bewusst den Adressaten, ohne zu springen oder zu huschen.
Im nächsten Schritt kommt ein kurzer eigener Redeabschnitt hinzu. Sie erleben, wie sich Ihr Sprechtempo verändert, sobald der Blick einen Halt hat, und wie die Gruppe Ihnen anders folgt, wenn sie spürt, dass jeder Satz einen Empfänger hat.
- Einen Gedanken zu Ende sprechen, bevor der Blick wechselt
- Adressaten im Raum gezielt wählen
- Den Blick halten, ohne zu fixieren
Pausen als Werkzeug und nicht als Lücke
Eine Pause wird von vielen Rednern als Fehler empfunden, den sie rasch füllen. Aus dem Theater kennen wir das Gegenteil: Die Pause ist der Moment, in dem das Gesagte ankommt. Sie lernen, vor einer wichtigen Aussage kurz innezuhalten und nach ihr nachklingen zu lassen.
Dazu verbinden wir die Pause mit dem Atem aus dem zweiten Modul. Sie atmen in der Stille ein, statt hastig weiterzusprechen, und beginnen den nächsten Satz aus einer ruhigen Ausgangslage. Das Publikum hört nicht das Atmen, sondern erlebt Sicherheit.
In kleinen Übungen zählen wir zunächst gemeinsam, wie lange eine Pause trägt. Die meisten Teilnehmenden unterschätzen das deutlich. Später entscheiden Sie selbst, welche Stelle Ihrer Rede eine längere Pause verdient und welche nur einen kurzen Halt.
Spannung aufbauen, ohne zu übertreiben
Spannung entsteht in einer Rede aus Gegensätzen: laut und leise, schnell und langsam, nah und fern. Wir untersuchen an Ihrem eigenen Text, wo der Bogen liegt und an welcher Stelle er flach bleibt. Oft genügt es, einen einzelnen Absatz bewusst zurückzunehmen, damit der folgende stärker wirkt.
Übertreibung ist dabei der häufigere Fehler als Zurückhaltung. Wer jede Aussage betont, betont am Ende keine. Wir üben deshalb, die Mittel sparsam und gezielt einzusetzen und die Wirkung am Gesicht der Gruppe abzulesen, nicht an der eigenen Vorstellung davon.
Ein realistisches Ergebnis nach dem Modul ist kein Bühnenprofil, sondern mehr Kontrolle: Sie wissen, welche Mittel Ihnen zur Verfügung stehen und wie Sie diese in einer Rede von zwanzig Minuten verteilen.
- Gegensätze im Tempo und in der Lautstärke setzen
- Einen Absatz bewusst zurücknehmen
- Wirkung an der Gruppe ablesen
Was Sie mitbringen sollten
Voraussetzung ist keine Bühnenerfahrung. Hilfreich ist es, wenn Sie die Inhalte der ersten beiden Module kennen, weil Haltung und Atem hier vorausgesetzt werden. Bringen Sie außerdem einen kurzen eigenen Redetext mit, möglichst einen, den Sie tatsächlich demnächst halten werden.
Bequeme Kleidung, in der Sie sich frei bewegen können, genügt. Wir arbeiten in kleiner Gruppe und in ruhiger Atmosphäre; was im Raum geübt wird, bleibt im Raum. Diskretion ist für uns Teil der Arbeit.
Das Modul ersetzt keine Fachausbildung. Es gibt Ihnen Techniken an die Hand, die Sie danach selbstständig weiter üben können, und bereitet auf die Auftrittsprobe im vierten Modul vor.
Theatrale Präsenz ist im Kern eine Frage der Aufmerksamkeit: wohin der Blick geht, wann Stille entsteht und wie dosiert Sie Spannung einsetzen. Das Modul gibt Ihnen dafür klare Übungen und ehrliches, ruhiges Feedback. Wenn Sie eine Rede vorbereiten und wissen möchten, ob dieses Modul zu Ihrem Anliegen passt, schildern Sie uns Ihren Auftritt über die Anfrage; wir besprechen gern den Rahmen.