glamuza.com Mo-Fr 9:00-18:00, nach Vereinbarung+49 152 00039174

Der Anfang: ein Anruf im Herbst

Jonas meldete sich bei uns, weil ihm nach einer Betriebsversammlung ein Satz nicht aus dem Kopf ging. Ein Kollege hatte gesagt, er wirke beim Reden wie jemand, der gleich weitergehen möchte. Jonas leitet eine Abteilung mit rund vierzig Mitarbeitenden und spricht mehrmals im Quartal vor größeren Runden. Fachlich sicher, so beschrieb er sich selbst, aber körperlich unruhig.

Im ersten Gespräch ließ ich ihn einfach erzählen, wie ein Auftritt für ihn abläuft. Er schilderte das Wippen auf den Fußballen, die Hände, die nach dem Stift greifen, den Blick, der zur Folie wandert. Nichts davon ist ungewöhnlich. Aber es summiert sich zu einem Eindruck, den der Redner selbst kaum bemerkt und das Publikum sehr wohl.

Wir vereinbarten, mit dem ersten Modul zu beginnen, bevor wir an Stimme oder Rhetorik arbeiten. Ein ruhiger Stand ist die Voraussetzung für alles Weitere, und Jonas brauchte zunächst keine neuen Techniken, sondern eine genauere Wahrnehmung dessen, was sein Körper ohnehin tut.

Stand und Gewicht wahrnehmen

In der ersten Einheit stellte sich Jonas barfuß auf den Studioboden, die Augen halb geschlossen. Matthias Brandt, unser Dozent für Körperarbeit, bat ihn, das Gewicht langsam zwischen Fersen und Ballen, links und rechts wandern zu lassen und nur zu beobachten. Jonas merkte schnell, dass er fast sein ganzes Gewicht auf dem rechten Bein trug und die Knie leicht durchdrückte.

Diese Beobachtung war der eigentliche Gewinn der Stunde. Niemand korrigierte ihn, niemand sagte ihm, wie ein guter Stand aussehen müsse. Er sollte selbst spüren, wo die Spannung sitzt und was sich verändert, wenn die Knie weich werden und das Gewicht mittig ruht.

Am Ende der Einheit stand er zum ersten Mal seit Langem still, ohne dass es sich nach Stillhalten anfühlte. Er beschrieb es als ein Gefühl, getragen zu werden, statt sich festzuhalten.

  • Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilen
  • Knie weich lassen, nicht durchdrücken
  • Den Scheitel leicht nach oben ausrichten, ohne die Schultern hochzuziehen

Bewegung ohne Hast

Der zweite Schritt galt der Bewegung. Viele Redner stehen zwar gut, verlieren die Ausrichtung aber, sobald sie gehen oder zeigen. Jonas übte, einen Schritt zu setzen, das Gewicht vollständig zu übertragen und erst dann weiterzusprechen. Anfangs wirkte das auf ihn fast zu langsam.

Auf der Videoaufnahme, die wir gemeinsam ansahen, war das Gegenteil zu erkennen. Die Pausen zwischen den Schritten gaben seinen Sätzen Gewicht. Er sprach nicht mehr im Gehen, sondern ging, hielt an und sprach. Das Publikum, wenn auch nur eine kleine Übungsgruppe, folgte ihm spürbar aufmerksamer.

Besonders hilfreich war eine einfache Regel: Jede Bewegung bekommt einen Grund, jeder Grund einen Zielpunkt im Raum. Wer so geht, wirkt weder starr noch getrieben, sondern überlegt.

Die Hände und der Stift

Der Stift in der Hand war Jonas' Anker, und er trennte sich nur ungern davon. Wir haben ihn nicht verboten, sondern gefragt, wozu er dient. Die ehrliche Antwort lautete: zur Beruhigung. Daraus entwickelten wir eine Alternative, bei der die Hände ihre Ruheposition auf Höhe des Nabels finden und von dort aus gezielt Gesten setzen.

Das klingt banal, braucht aber Wiederholung. In drei Einheiten übte Jonas, die Hände nach jeder Geste bewusst in die Ruhelage zurückzuführen. Zunächst fühlte sich das künstlich an, nach einigen Durchgängen wurde es zur Gewohnheit, die er nicht mehr kontrollieren musste.

Julia Hartmann, die an unserem Studio Bühnenpräsenz unterrichtet, merkte an, dass ruhige Hände den Blick des Publikums beim Sprecher halten. Unruhige Hände ziehen ihn ab. Für Jonas war das ein überzeugendes Argument.

Der erste Test vor echtem Publikum

Nach vier Wochen stand Jonas' Quartalsversammlung an. Er kam am Tag davor noch einmal ins Studio, und wir gingen den Ablauf durch: Ankommen am Platz, Stand prüfen, einen Atemzug nehmen, erst dann den ersten Satz. Dieses kleine Ritual hatte er sich selbst zusammengestellt, wir haben es nur geschärft.

Er berichtete uns später, dass die ersten dreißig Sekunden entscheidend gewesen seien. Als er merkte, dass sein Stand trug, wurde auch die Stimme ruhiger. Mit Stimmtechnik hatte er bis dahin kaum gearbeitet, die Wirkung kam allein aus der Ausrichtung.

Ein Kollege sprach ihn nach der Versammlung an und sagte, er habe diesmal zuhören können, ohne abzuschweifen. Jonas schrieb uns das mit unverkennbarer Zufriedenheit, ohne etwas Größeres daraus zu machen.

Was sich übertragen lässt

Jonas' Weg ist kein Rezept, aber er zeigt, wie das erste Modul gedacht ist. Es beginnt bei der Wahrnehmung, nicht bei der Korrektur. Wer spürt, wie er steht, kann entscheiden, wie er stehen möchte. Das gelingt in kleinen, wiederholbaren Schritten besser als in einem großen Umbau.

Voraussetzungen braucht es dafür keine, außer der Bereitschaft, sich ein wenig mit dem eigenen Körper zu beschäftigen und zwischen den Einheiten kurz zu üben. Bequeme Kleidung und flache Schuhe reichen aus.

Realistisch ist ein spürbar ruhigerer Auftritt nach wenigen Wochen regelmäßiger Übung. Wie weit das trägt, hängt vom Anlass, von der Vorbereitung und von Ihnen ab.

  • Wahrnehmen vor Korrigieren
  • Kleine Rituale vor dem ersten Satz
  • Ruhelage der Hände als feste Basis

Jonas hat in wenigen Wochen keine neue Persönlichkeit entwickelt, sondern einen Stand gefunden, der zu ihm passt und ihn trägt. Genau darum geht es im ersten Modul: Ausrichtung, die Sie nicht mehr bewusst halten müssen. Wenn Sie wissen möchten, wie Ihr Stand heute wirkt und was sich daran verändern lässt, besprechen wir das gern in einem ersten Gespräch im Studio in Gera.

glamuza.com
© 2026 glamuza.com. Alle Rechte vorbehalten.
So erreichen Sie uns[email protected]