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Der Beginn: ankommen, bevor wir etwas verändern

Jede Einheit zu Körperhaltung und Ausrichtung beginnt bei uns ohne Übung. Sie stehen zunächst einfach da, so wie Sie auch vor einem Saal stehen würden, und wir schauen ruhig hin. Ich bin Julia Hartmann, und mein erster Blick gilt nicht der vermeintlichen Fehlhaltung, sondern Ihrem Gewohnheitsmuster: Wohin wandert das Gewicht, wenn Sie nachdenken, wie verändern sich die Schultern, sobald jemand Sie ansieht.

Diese Phase dauert oft zehn Minuten und wirkt von außen unspektakulär. Für die weitere Arbeit ist sie entscheidend, denn nur wer seinen Ausgangspunkt kennt, kann später beurteilen, was sich tatsächlich verändert hat. Wir korrigieren in dieser Zeit nichts und geben keine Anweisungen.

Viele Teilnehmende sind überrascht, wie viel sie über sich erfahren, wenn sie nur stehen und wahrnehmen. Manche merken erstmals, dass sie auf einem Bein ruhen, andere, dass die Knie durchgedrückt sind. Solche Beobachtungen sind das Rohmaterial des gesamten Moduls.

Stand und Gewichtsverteilung: Wahrnehmen vor Korrigieren

Im nächsten Schritt arbeiten wir am Boden unter Ihren Füßen. Wir lassen Sie das Gewicht langsam zwischen Ferse, Ballen und Außenkante verlagern, bis Sie einen Punkt finden, an dem der Stand ohne Anstrengung trägt. Es gibt dafür keine Idealform, die für alle gilt, sondern einen Stand, der zu Ihrem Körperbau passt.

Matthias Brandt, der das Modul körperlich begleitet, arbeitet dabei gern mit kleinen Gegenproben: leichter Druck an der Schulter, ein Schritt zur Seite, ein Moment der Unruhe. Wer stabil steht, nimmt solche Impulse auf, ohne den Auftritt zu verlieren. Das lässt sich gut spüren und braucht keine Theorie.

Wichtig ist uns das Tempo. Wir wiederholen eine Übung lieber ruhig dreimal, als drei verschiedene Übungen zu zeigen. Der Körper lernt über Wiederholung unter wechselnden Bedingungen, nicht über das einmalige Verstehen einer Erklärung.

  • Füße etwa hüftbreit, Gewicht gleichmäßig verteilt
  • Knie weich statt durchgedrückt
  • Becken weder nach vorn gekippt noch eingezogen

Ausrichtung des Oberkörpers: Länge statt Spannung

Aufrecht heißt nicht steif. Das ist der Satz, den ich in dieser Phase am häufigsten sage. Viele Redner versuchen, Haltung durch Anspannung herzustellen, und halten dann Brust und Schultern wie in einer Uniform. Wir arbeiten stattdessen an der Länge der Wirbelsäule und an einem Kopf, der frei auf dem Hals sitzt.

Dazu nutzen wir Bilder, aber sparsam, und immer in Verbindung mit einer konkreten Berührung oder Rückmeldung. Eine Hand an der Rückseite des Kopfes, ein Spiegel seitlich, eine Wand im Rücken: Solche einfachen Hilfen machen sichtbar, was sich anders anfühlt, als es aussieht.

Gerade bei Führungskräften, die viel am Schreibtisch sitzen, zeigt sich häufig ein nach vorn geschobener Kopf. Wir verändern das nicht mit einem Kraftakt, sondern in kleinen Schritten, die sich in den Alltag mitnehmen lassen.

Bewegung im Raum: vom Stehen zum Gehen

Ein ruhiger Stand ist nur die halbe Aufgabe, denn auf der Bühne bewegen Sie sich. Wir üben deshalb, aus dem Stand heraus zu gehen, anzuhalten und sich zu wenden, ohne die Ausrichtung zu verlieren. Jeder Schritt hat dabei einen Anfang und ein Ende, und das Publikum liest genau diese Klarheit als Souveränität.

Häufig arbeiten wir mit einer Strecke von wenigen Metern, die Sie mehrfach gehen. Wir achten darauf, wo der Impuls des Schritts entsteht, ob die Arme mitschwingen und was geschieht, wenn Sie beim Gehen sprechen. Oft verändert sich die Stimme, sobald der Körper unruhig wird.

Die Gruppe spielt hier eine stille Rolle: Sie sieht zu, ohne zu kommentieren, und gibt später in der Runde eine kurze Beobachtung zurück. Wir halten diese Rückmeldungen konkret und frei von Bewertung.

Was wir dokumentieren und was bei Ihnen bleibt

Nach jeder Einheit notieren wir gemeinsam, was sich verändert hat und woran Sie bis zum nächsten Termin arbeiten. Das sind meist zwei oder drei Hinweise, keine lange Liste. Es sind Formulierungen in Ihren eigenen Worten, etwa wie sich der Stand anfühlt, wenn er trägt.

Fotos oder Videos machen wir nur, wenn Sie ausdrücklich zustimmen, und sie bleiben bei Ihnen. Diskretion gehört zu unseren Grundsätzen: Was im Studio gezeigt und besprochen wird, verlässt den Raum nicht.

Realistisch ist, dass Sie nach dem Modul Ihren Stand bewusster wahrnehmen und in Situationen mit Druck schneller zu ihm zurückfinden. Eine feste Zusage für ein bestimmtes Ergebnis geben wir nicht, denn Körpergewohnheiten verändern sich in ihrem eigenen Tempo.

  • Zwei bis drei persönliche Hinweise je Einheit
  • Aufnahmen nur mit Ihrer Zustimmung
  • Übungen für zu Hause, kurz und alltagstauglich

Vorbereitung: was Sie mitbringen sollten

Voraussetzungen im engeren Sinn gibt es nicht, Sie brauchen weder Bühnenerfahrung noch eine besondere Beweglichkeit. Hilfreich ist, wenn Sie bequeme Kleidung tragen, die den Stand erkennen lässt, und flache, feste Schuhe oder Socken. Hohe Absätze verändern die Ausrichtung so stark, dass wir sie für die Übungen bitten abzulegen.

Nützlich ist außerdem ein Gedanke zu Ihrem nächsten Auftritt: Wo fühlen Sie sich unsicher, wann merken Sie Anspannung? Je konkreter Sie das beschreiben, desto gezielter können wir die Einheit auf Ihre Rolle abstimmen.

Planen Sie für die Einheit ausreichend Zeit ein und vermeiden Sie einen Termin direkt vor einer anderen Verpflichtung. Das Ankommen ist Teil der Arbeit, und es gelingt besser, wenn Sie nicht auf die Uhr schauen müssen.

Hinter dem ruhigen Erscheinungsbild eines Auftritts steckt meist unspektakuläre Arbeit: genau hinsehen, wenig erklären, oft wiederholen. Modul 1 verfolgt kein Ideal, sondern einen Stand, der zu Ihnen passt und im entscheidenden Moment trägt. Wenn Sie wissen möchten, wie das in Ihrem Fall aussehen könnte, schildern Sie uns über die Anfrage kurz Ihre Situation. Wir antworten persönlich und ohne Verpflichtung.

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